Im Emsland wird die erste Beratungsstelle für Arbeitsmigranten entstehen

7. Oktober 2013

Sögel/Osnabrück – Die Samtgemeinde Sögel und der Kolping Diözesanverband Osnabrück haben die Einrichtung einer Beratungsstelle für ausländische Arbeitnehmer vereinbart. Ab dem 1. November soll sich das „Europabüro für ausländische Arbeitnehmer“ um die Integration und die gesellschaftliche Teilhabe der Arbeitsmigranten bemühen.

Sögel ist Standort des größten niedersächsischen Schlachthofes, auf dem rund 950 von insgesamt 1400 Arbeitnehmern aus Polen, Rumänien und Ungarn stammen. Darüber hinaus sind in der Region viele Menschen aus Osteuropa im Metall- und Maschinenbau, im Schiffbau sowie bei Handwerksbetrieben tätig. Der emsländische Arbeitsmarkt ist leergefegt, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung und die Wirtschaft ist auf Arbeitnehmer aus dem Ausland zwingend angewiesen.

Mit dem Schlachthof der Weidemark Fleischwaren GmbH & Co.KG, der zum Tönnies-Konzern gehört, sowie den dort tätigen Werkvertragsunternehmen hatte die Samtgemeinde Sögel bereits vor einigen Monaten die Pflicht zur Zahlung eines Mindestlohns von 8,50 Euro vereinbart. Darüber hinaus hatte der Samtgemeinderat eine Zertifizierungsrichtlinie für den von den Werkvertragsunternehmen angemieteten Wohnraum erlassen. Alle beim Schlachthof tätigen Arbeitnehmer muss danach in sehr detailliert beschriebenem Umfang Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

Der dritte Baustein ist jetzt die Beratungsstelle für ausländische Arbeitnehmer. Sie soll als Anlaufstelle für die Arbeitnehmer dienen. Hier soll ihnen künftig bei allen Fragen des täglichen Lebens, bei behördlichen Vorgängen, bei Bankgeschäften oder durch die Vermittlung von sportlichen, gesellschaftlichen und religiösen Angeboten Unterstützung angeboten werden.

Finanziert wird die Beratungsstelle von den Werkvertragsunternehmen der Firma Weidemark. Sie zahlen der Samtgemeinde Sögel pro Mitarbeiter und Monat 5 Euro. „So kommt monatlich ein Betrag von knapp 5.000 Euro zusammen. Damit können wir die Beratungsstelle finanzieren“, sagte Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers.

„Wir wollten diese Aufgabe allerdings nicht selbst übernehmen, sondern uns dazu eines freien Trägers bedienen“, so Wigbers. Mit dem Kolping-Diözesanverband sei ein sehr kompetenter Partner gefunden worden, der zugleich von der örtlichen Kolpingfamilie unterstützt werde. Das Thema Wanderarbeiter, das im 200. Jahr nach der Geburt Adolph Kolping wieder hoch aktuell sei, passe zur Arbeit des in der Region Emsland-Osnabrück stark verankerten Kolping-Diözesanverbandes. „Deutschland braucht Zuwanderung; und wenn wir wissen, dass wir diese Menschen aus anderen Ländern brauchen, dann müssen wir uns auch um sie kümmern.“

Hans-Hermann Hunfeld, Geschäftsführer des Kolping-Diözesanverbandes, sieht die Intergration in das hiesige Wohn- und Lebensumfeld, die Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe insbesondere durch aufsuchende Sozialarbeit als Schwerpunkt der Beratungsstelle. „Wir wollen durch den direkten Kontakt mit den ausländischen Mitbürgern Fehlentwicklungen im sozialen Umfeld erkennen und Sprachkurse organisieren.“

Während alle Rahmenbedingungen heute mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages abgeschlossen sind, sucht der Verband derzeit eine Fachkraft im Sozialwesen, die über osteuropäische Sprachkenntnisse verfügt. „Die Beratungsstelle steht und fällt mit einer guten Personalauswahl“, so die Einschätzung von Hunfeld. „Auch wenn es für diese Arbeit kein Vorbild oder Beispiel gibt: Ich bin mir sicher, dass uns mit der Beratungsstelle eine Bestandsaufnahme über die sozialen und gesellschaftlichen Lebensverhältnisse der ausländischen Arbeitnehmer gelingt. Dann werden wir auch die richtigen Schwerpunkte für unsere Arbeit im Sinne der ausländischen Mitbürger finden.“

Text/Foto: Ingrid Cloppenburg

Das „Europabüro für ausländische Arbeitnehmer“ wird als wohl erste Beratungsstelle dieser Art am 1. November im emsländischen Sögel eröffnet. Unser Bild zeigt von links Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers, Sögels Bürgermeisterin Irmgard Welling, Willi Püngel und Gerd Gerdes vom Vorstand des Kolping-Diözesanverbandes Osnabrück sowie dessen Geschäftsführer Hans-Hermann Hunfeld bei der Vertragsunterzeichnung.

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