Berlin/Papenburg/Sögel
3. Juni 2012 „Endlich jemand, der nicht nur redet, sondern auch anpackt.“ Bundesarbeitsministerium Ursula von der Leyen war voll des Lobes für die Initiative der Emsachse, junge arbeitssuchende Spanier ins Emsland zu holen, um den Fachkräftemangel am hiesigen Arbeitsmarkt zu beheben.
Die spanischen Jugendlichen waren auf Einladung der Ministerin und der Konrad-Adenauer-Stiftung für eine Woche in Berlin zu Gast, um dort das politische Deutschland erklärt zu bekommen. Für Dr. Dirk Lüerßen, Geschäftsführer der Emsachse, ist der Berlin-Besuch einer von vielen Bausteinen, die jungen Spanier zu integrieren und sie mit dem Land, seiner Geschichte, Gesellschaft und dem politischen System vertraut zu machen. Von der Leyen war durch die bundesweite Presseberichterstattung auf das emsländische Projekt aufmerksam geworden.
Im Berliner Arbeitsministerium nahm sich von der Leyen vor Vertretern in- und ausländischer Medien eine Stunde Zeit, um sich die Situation der spanischen Jugendlichen, ihre Erwartungen und Ziele erläutern zu lassen. Günter Wigbers, Samtgemeindebürgermeister aus Sögel, umriss dabei die Projektidee: „Wir im Emsland brauchen heute und noch mehr in Zukunft junge Menschen als qualifizierte Fachkräfte. Der eigene Nachwuchs wird nicht annähernd den Bedarf decken. In Spanien dagegen herrscht eine Jugend-Arbeitslosigkeit regional unterschiedlich von bis zu 60 Prozent.“ Da läge es doch auf der Hand, Angebot und Nachfrage unter einen Hut zu bringen.
Die Leitung des Projektes hat der Wirtschaftsverband Emsachse übernommen. 15 junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren sind nach Auskunft von Geschäftsführer Dr. Dirk Lürßen aus Spanien ins Emsland umgezogen. Nach einem Betriebspraktikum bis zum Sommer wollen die bisher überwiegend mittelständischen emsländischen Unternehmen ihnen eine Ausbildung anbieten, und zwar als Anlagenmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker, Maurer oder Tischler. „Wir bewegen uns damit nahezu ausschließlich im Bereich der Mangelberufe, deren Ausbildungsstellen wir angesichts der sinkenden Zahl der Schulabgänger auch auf Dauer nicht besetzen können.“
„Die Initiative aus dem Emsland ist fantastisch. Denn wenn Fachkräfte fehlen, brechen Umsätze und schließlich Arbeitsplätze weg und das gefährdet den Mittelstand. Natürlich wird alles unternommen, um deutsche Jugendliche in Ausbildung zu bringen und sie zu unterstützen, dennoch wird hierzulande, auch wegen des demografischen Wandels, der Fachkräftemangel immer spürbarer“, so die Ministerin.
Weiter sagte sie: „Insofern ist der Gedanke schon richtig, dass, wenn wir hier verzweifelt junge Menschen suchen, die die Ausbildungsstellen füllen und in Spanien 50 Prozent der Jugendlichen keine Ausbildung und keinen Job haben, dass wir sagen, lasst uns uns zusammen tun und für beide Seiten eine Perspektive bilden, Also ich finde ganz wichtig: sich um die Jugendlichen hier zu kümmern, ja, aber das sollte uns nicht davon abhalten, die Tür zu öffnen für unsere europäischen Freunde.“
Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) nahm ebenfalls am Gespräch teil. Sie sicherte dem Projekt ihre Unterstützung zu, wies aber eindringlich darauf hin, dass es nicht dazu führen dürfe, dass den heimischen Jugendlichen der Ausbildungsplatz weggenommen werde.
Aus Unternehmersicht schilderten Carsten Bartels und Otto Cordes das neue Projekt. „Wir kämpfen von Jahr zu Jahr mehr mit den freibleibenden Stellen in unseren Betrieben. Aufträge können nicht angenommen werden, weil es einfach an Personal fehlt. „Der Personalmangel ist eine echte Wachstumsbremse für unsere Region.“ Daher freuen sich die beiden Unternehmer mit mehreren anderen aus der Region auf einen spanischen Auszubildenden im Sommer 2012.
Text/Foto: Ingrid Cloppenburg

Emsländer mit ihren spanischen Gästen im Bundesministerium in Berlin zu Gast bei der Ministerin Ursula von der Leyen.